Ange­sichts der Rezes­sion kürzen Mana­ger­haft­pflicht­ver­si­cherer die Kapa­zi­täten – und einige Gesell­schaften ziehen sich ganz zurück

Köln – Das hatte sich Michael Hend­ricks anders vorge­stellt. Vor vier Jahren war er bei dem von ihm aufge­bauten Versi­che­rungs­makler ausge­schieden und hatte die letzten Anteile verkauft. Ein Zweit­wohn­sitz auf Mallorca, eine neue Ehe und ein wenig Bera­ter­tä­tig­keit für das alte Unter­nehmen: Dem 65-jährigen Anwalt ging es gut. Doch jetzt kehrt Michael Hend­ricks zurück an die Spitze des Spezi­al­mak­lers Hend­ricks in Düssel­dorf.

Hend­ricks gehört zur briti­schen Hype­rion-Gruppe, und deren Chef David Howden hatte den Gründer persön­lich gebeten, wieder anzu­pa­cken. Die Firma ist auf die Vermitt­lung von Manager-Haft­pflicht­po­licen spezia­li­siert, im Bran­chen­jargon Direc­tors‘ and Offi­cers‘ Liabi­lity oder D&O. Sie arbeitet mit vielen anderen Maklern zusammen, die sich auf das Know-how der Düssel­dorfer verlassen. Bisher-Chef Marcel Armon, 41, wech­selt zum Rivalen Aon. Aber das ist nicht der Haupt­grund für Hend­ricks’ Rück­kehr. „Der Markt ist in einer sehr schwie­rigen Situa­tion“, sagt er. Auslän­di­sche Anbieter und klei­nere Versi­cherer ziehen sich zurück, andere redu­zieren die Kapa­zität.

Große Konzerne brau­chen D&O-Deckungen im drei­stel­ligen Millio­nen­be­reich. Sie sichern Vorstände und Aufsichts­räte dagegen ab, dass ihr eigenes Unter­nehmen oder andere, zum Beispiel Aktio­näre, sie nach Fehlern persön­lich auf Scha­den­er­satz verklagen. Ob Siemens, Luft­hansa, Daimler, Deut­sche Bank oder VW – in fast jedem Konzern gab es schon solche Ausein­an­der­set­zungen, die mit hohen Scha­den­er­satz­zah­lungen endeten. Ohne D&O-Police würde kaum ein Manager einen Vorstands­posten oder ein Aufsichts­rats­mandat antreten, schließ­lich müsste er mit seinem Privat­ver­mögen haften.

Die großen Risiken decken die Versi­cherer in Konsor­tien. Aber während sich ein einzelner Versi­cherer bislang mit 25 Millionen Euro an der Versi­che­rung eines Konzerns betei­ligte, sind es plötz­lich nur noch 15 Millionen Euro. Dazu kommt der Rückzug einer Reihe von Anbie­tern. „Da hat ein Dax-Konzern auf einmal eine Deckung, die 200 Millionen Euro nied­riger ist als vorher“, erläu­tert Hend­ricks. Die Preise gehen entspre­chend nach oben.

Die Versi­cherer machen sich Sorgen wegen der Rezes­sion. Denn in wirt­schaft­lich schwie­rigen Zeiten wird mehr geklagt als sonst, um sie für Fehler bluten zu lassen, die Manager gemacht haben. Kein Wunder, dass viele Gesell­schaften auf Ausschlüssen bestehen. Das gilt etwa dann, wenn ein Kfz-Hersteller oder Zulie­ferer die Versi­cherer wech­selt. „Risiken, die zum Beispiel aus den Diesel-Problemen stammen, werden von den neuen Versi­che­rern von der Deckung ausge­schlossen“, sagt Hend­ricks. Kommt es doch zum Schaden, muss er beim früheren Versi­cherer nach­ge­meldet werden, ein komplexer Vorgang. Viele Versi­cherer wollen auch Schäden im Zusam­men­hang mit der Corona-Pandemie ausschließen – wenn ein Vorstand verklagt wird, weil er zu spät oder zu früh eine Anlage geschlossen oder geöffnet und dadurch dem Unter­nehmen Schaden zuge­fügt hat. Andere möchten gerne Schäden aus Cyber-Angriffen nicht versi­chern. Nur wenn der Konzern eine sepa­rate Cyber-Police vorweisen kann, bestehen die Gesell­schaften nicht mehr auf dem Ausschluss.

Hend­ricks befürchtet schwere Konse­quenzen. Zuletzt sei eine solche Situa­tion 2003 nach dem Zusam­men­bruch des neuen Marktes entstanden. „Damals hat es Rück­tritte von ganzen Aufsichts­räten gegeben, weil sie das persön­liche Haftungs­ri­siko nicht tragen konnten.“ Der Rück­kehrer will den Job „ein bis zwei Jahre“ machen. „Einen mögli­chen Nach­folger habe ich schon im Auge.“

 

Quelle: „Konzerne finden schwerer Versi­che­rungs­schutz für Vorstände“, SZ Süddeut­sche Zeitung
Veröf­fent­licht am: 24. April 2020
Autor: Herbert Fromme

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