Von Marcel Braun, CEO hendricks GmbH
Die jüngsten Zahlen des FalkenSteg-Reports zum zweiten Quartal 2026 sollten Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsgremien aufhorchen lassen.
105 Insolvenzen von Unternehmen mit mehr als 10 Mio. Euro Umsatz bedeuten einen Anstieg von 12 % gegenüber dem Vorjahresquartal und liegen sogar 40 % über dem Fünfjahresdurchschnitt. Besonders bemerkenswert ist dabei die Entwicklung bei größeren Unternehmen: Die Zahl der Verfahren bei Unternehmen mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz stieg von sieben auf zwölf.
Noch bedeutsamer als die reine Fallzahl ist jedoch eine andere Entwicklung: Die Zahl der Eigenverwaltungen und Schutzschirmverfahren ist auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren gefallen.
Für mich ist das mehr als nur eine Statistik.
Es deutet darauf hin, dass viele Unternehmen Krisen erst sehr spät erkennen oder notwendige Restrukturierungsmaßnahmen zu lange hinauszögern. Genau hier entstehen jene Haftungsrisiken, die Vorstände und Geschäftsführer häufig unterschätzen.
Deutschland bleibt Europas Insolvenz-Hotspot
Die Pressemitteilung von Allianz Trade vom 04.09.2026 unterstreichen diese Entwicklung zusätzlich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Deutschland bereits 33 Großinsolvenzen von Unternehmen mit mehr als 50 Mio. Euro Jahresumsatz registriert. Das entspricht einem weiteren Anstieg von 10 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Besonders betroffen waren die Automobilindustrie, der Einzelhandel sowie der Maschinenbau.
Noch bemerkenswerter ist jedoch die europäische Perspektive: In den vergangenen zwölf Monaten entfielen 97 der insgesamt 325 Großinsolvenzen in Westeuropa auf Deutschland. Damit kommt inzwischen nahezu jede dritte Großinsolvenz in Westeuropa aus Deutschland. Der kumulierte Umsatz der betroffenen Unternehmen stieg auf rund 4,5 Mrd. Euro.
Eine nachhaltige Entspannung erwarten die Experten von Allianz Trade für den weiteren Jahresverlauf ausdrücklich nicht.
Für Vorstände, Geschäftsführer und Aufsichtsgremien ist dies ein wichtiges Warnsignal. Denn Großinsolvenzen treffen nicht nur die unmittelbar betroffenen Unternehmen. Sie lösen häufig Kettenreaktionen entlang von Lieferketten, Finanzierungsstrukturen und Beteiligungsverhältnissen aus. Gleichzeitig steigt mit jeder Unternehmenskrise das Risiko späterer Organhaftungsansprüche und die Wahrscheinlichkeit, dass Insolvenzverwalter Entscheidungen des Managements intensiv prüfen.
Organhaftung beginnt lange vor der Insolvenz
In wirtschaftlich schwierigen Zeiten stehen Entscheidungen von Unternehmensleitern besonders im Fokus. Spätere Insolvenzverwalter prüfen regelmäßig, ob
Die Folge können persönliche Haftungsansprüche gegen Organmitglieder sein, deren finanzielle Auswirkungen schnell existenzbedrohende Größenordnungen erreichen.
Die unterschätzte Gefahr: Deckungslücken bei Asset Deals und Carve-outs
Besonders kritisch ist eine Entwicklung, die in der öffentlichen Diskussion häufig übersehen wird: Mehr als jede zweite abgeschlossene Insolvenz endet mittlerweile als Asset Deal.
Für die Fortführung des Geschäftsbetriebs mag dies oft die wirtschaftlich sinnvollste Lösung sein. Für Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsgremien beginnt jedoch häufig erst dann die eigentliche Risikozone.
In der Praxis erleben wir immer wieder, dass Verantwortliche davon ausgehen, ihre bestehende D&O-Versicherung schütze sie uneingeschränkt. Tatsächlich entstehen gerade bei Asset Deals, Betriebsübergängen und Carve-outs regelmäßig komplexe Deckungsfragen:
Kommt es später zu Vorwürfen wegen Insolvenzverschleppung, Zahlungen nach Insolvenzreife oder einer unzureichenden Krisenüberwachung, werden genau diese Fragen über Millionenbeträge entscheiden.
Viele Unternehmen beschäftigen sich mit diesen Themen erst dann, wenn bereits ein Insolvenzverwalter, Gläubiger oder Gesellschafter Ansprüche prüft. Zu diesem Zeitpunkt ist es regelmäßig zu spät.
Gerade Restrukturierungen, Unternehmensverkäufe und Asset Deals erfordern deshalb nicht nur eine gute D&O-Versicherung, sondern vor allem eine strategische Begleitung durch spezialisierte Experten. Denn die größte Gefahr ist nicht eine fehlende Police. Die größte Gefahr ist die vermeintliche Sicherheit einer Police, die im entscheidenden Moment nicht leistet.
Der Fall Depot zeigt die Realität
Der aktuelle Fall Depot verdeutlicht diese Problematik. Obwohl ein Eigenverwaltungsverfahren eingeleitet wurde, wurde Ende August Masseunzulänglichkeit bekanntgegeben und die Einstellung des Geschäftsbetriebs angekündigt.
Dabei geht es nicht darum, bereits heute über mögliche Haftungsansprüche zu spekulieren. Der Fall zeigt vielmehr, dass selbst eingeleitete Restrukturierungsmaßnahmen keine Garantie dafür sind, spätere Organhaftungsfragen zu vermeiden.
D&O ist mehr als eine Versicherungspolice
In Zeiten steigender Insolvenzzahlen reicht es nicht mehr aus, nur die Versicherungssumme zu betrachten.
Entscheidend sind Fragen wie:
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen Belastungstest
Die aktuelle Insolvenzentwicklung zeigt deutlich: Managerhaftung entsteht nicht erst mit dem Insolvenzantrag. Sie beginnt oft Monate vorher.
Deshalb sollten Unternehmen ihre D&O-Programme jetzt einem echten Krisen- und Restrukturierungscheck unterziehen. Insbesondere bei Unternehmen in Industrie, Automotive, Logistik, Handel und Immobilien sehen wir derzeit einen erheblichen Handlungsbedarf.
Bei hendricks unterstützen wir Unternehmen, Gesellschafter, Vorstände und Geschäftsführer dabei, Haftungsrisiken frühzeitig zu erkennen und D&O-Konzepte so auszurichten, dass sie auch bei Restrukturierungen, Asset Deals, Carve-outs und insolvenznahen Situationen den notwendigen Schutz bieten.
Denn in der Krise zeigt sich nicht, ob eine D&O-Versicherung vorhanden ist. Sondern ob sie richtig aufgebaut wurde.
Autor:
Marcel Braun
CEO
hendricks GmbH
Pressekontakt
Team hendricks
hendricks GmbH
Georg-Glock-Straße 8
40474 Düsseldorf
T +49 (0) 211 940 83 – 53
F +49 (0) 211 940 83 – 83

