Windparks, Solarparks, Batteriespeicher und Netzinfrastruktur gelten als Zukunftsmarkt. Milliardeninvestitionen fließen in den Ausbau der erneuerbaren Energien. Doch hinter den Wachstumsraten verbirgt sich eine Entwicklung, die viele Entscheidungsträger unterschätzen: Die persönlichen Haftungsrisiken für Unternehmensleiter steigen erheblich.

Die Energiewirtschaft befindet sich in einer Phase hoher Dynamik. Genehmigungsverfahren verzögern sich, Lieferketten bleiben störanfällig, Projektkosten schwanken erheblich und Finanzierungsbedingungen haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Hinzu kommen neue regulatorische Anforderungen aus den Bereichen ESG, Nachhaltigkeit, IT-Sicherheit und Compliance.

Gerät ein Projekt ins Stocken oder erreicht die kalkulierte Rendite nicht die Erwartungen der Investoren, stellt sich schnell die Frage:

  • Wurden Risiken ausreichend berücksichtigt?
  • Wurden Investitionsentscheidungen sorgfältig vorbereitet?
  • Wurde die Liquiditäts- und Finanzierungsplanung angemessen überwacht?

Genau an diesem Punkt beginnt häufig die persönliche Haftung von Geschäftsführern und Vorständen.

Typische D&O-Schadenfälle in der Energie- und Infrastrukturbranche

Unsere Erfahrung zeigt, dass insbesondere folgende Sachverhalte zu Haftungsansprüchen gegen Organmitglieder führen können:

  • Fehlkalkulationen bei Wind-, Solar- oder Speicherprojekten
  • Verzögerungen bei Netzanschlüssen und Genehmigungen
  • Kostenüberschreitungen bei Infrastrukturvorhaben
  • Mangelhafte Vertragsgestaltung mit EPC- oder Generalunternehmern
  • Fehleinschätzungen bei Akquisitionen und Projektbewertungen
  • Verletzungen von Finanzierungsauflagen gegenüber Banken und Investoren

  • Verstöße gegen ESG- oder Compliance-Anforderungen
  • Fehlerhaftes Liquiditäts- und Risikomanagement

Besonders kritisch wird es, wenn Projekte wirtschaftlich scheitern oder Investoren erhebliche Verluste erleiden. In solchen Situationen geraten die Entscheidungen des Managements regelmäßig in den Fokus.

Insolvenzen treffen auch die Energiewende

Der Ausbau erneuerbarer Energien erfolgt häufig in projektorientierten Gesellschaftsstrukturen mit hohem Kapitalbedarf und komplexen Finanzierungsmodellen.

Kommt es zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten oder gar einer Insolvenz, prüfen Insolvenzverwalter regelmäßig mögliche Haftungsansprüche gegen ehemalige Organmitglieder. Dabei stehen häufig Themen wie verspätete Restrukturierungsmaßnahmen, fehlerhafte Investitionsentscheidungen oder mögliche Pflichtverletzungen im Mittelpunkt.

Für Geschäftsführer und Vorstände kann dies schnell existenzielle Dimensionen annehmen.

D&O allein reicht häufig nicht aus

Viele Unternehmen verlassen sich ausschließlich auf ihre D&O-Versicherung. Das greift in der Praxis jedoch oft zu kurz.

Ein ganzheitliches Financial-Lines-Konzept sollte insbesondere folgende Bausteine umfassen:

D&O-Versicherung

Die D&O-Versicherung schützt Geschäftsführer, Vorstände und Aufsichtsgremien vor den finanziellen Folgen von Schadenersatzansprüchen aus ihrer Organhaftung.

Gerade bei großen Infrastruktur- und Energieprojekten können Forderungen schnell Millionenhöhen erreichen.

Strafrechtsschutzversicherung

Wenn Projekte scheitern oder Unregelmäßigkeiten vermutet werden, bleiben zivilrechtliche Verfahren häufig nicht die einzige Herausforderung.

Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug, Untreue, Subventionsbetrug, Insolvenzdelikte oder Verstöße gegen Umwelt- und Genehmigungsauflagen können bereits enorme Verteidigungskosten verursachen.

Ein leistungsstarker Strafrechtsschutz ist daher ein wesentlicher Bestandteil des persönlichen Risikomanagements von Unternehmensleitern.

Vertrauensschadenversicherung (VSV)

Mit zunehmender Digitalisierung und komplexen Projektstrukturen steigt auch das Risiko von Vermögensdelikten.

Manipulierte Zahlungsanweisungen, interne Unterschlagungen, Social Engineering, Betrug durch Geschäftspartner oder Cyber-gestützte Vermögensschäden können erhebliche finanzielle Folgen nach sich ziehen.

Die Vertrauensschadenversicherung schließt genau diese wichtige Schutzlücke.

Die Risiken wachsen schneller als die Versicherungssummen

Die Energiewende wird in den kommenden Jahren weiter an Fahrt aufnehmen. Gleichzeitig steigen Investitionsvolumen, regulatorische Anforderungen und die Erwartungen von Kapitalgebern.

Damit wächst auch die Verantwortung derjenigen, die diese Projekte steuern und verantworten.

Wer heute ein Unternehmen der Energie- und Infrastrukturwirtschaft führt, sollte deshalb nicht nur auf die technische und wirtschaftliche Umsetzung der Projekte achten, sondern auch auf einen zeitgemäßen Schutz der handelnden Personen.

Denn während Windräder und Solarparks für nachhaltige Energie sorgen sollen, können Fehlentscheidungen für das Management schnell zu persönlichen Haftungsrisiken werden.

Unser Rat

Lassen Sie Ihren D&O-, Strafrechtsschutz- und VSV-Schutz regelmäßig überprüfen. Die Risiken der Energiewende entwickeln sich rasant. Ihr Versicherungsschutz sollte Schritt halten.

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